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Der frühe Vogel fängt den Klettersteig

Text und Fo­tos: Ve­ro­ni­ka Ra­jc­sa­nyi

21.06.2018

Am Frei­tag­abend vor dem Ab­fahrts­tag kam die er­freu­li­che Nach­richt un­se­rer Tou­ren­lei­te­rin, dass wir wet­ter­be­dingt un­ser Klet­ter­steig-Wo­chen­en­de im Ötz­tal auf je­den Fall durch­zie­hen könn­ten. Al­ler­dings wä­re die Wet­ter­la­ge den­noch in­sta­bil, so dass es rat­sam wä­re, an­statt 6.30 Uhr be­reits um 5.00 Uhr los­zu­fah­ren. Puh, al­so früh schla­fen­ge­hen!

Mit noch bisl Schlaf in den Au­gen und großen Kaf­fee-Ther­mo­s­kan­nen tra­fen wir uns zum be­sag­ten Zeit­punkt und fuh­ren Rich­tung Ös­ter­reich. Da um die­se Uhr­zeit nun wirk­lich noch nie­mand auf der Stra­ße un­ter­wegs ist, ka­men wir zei­tig um ca. 7 Uhr in Um­hau­sen im Ötz­tal an, um un­se­ren ers­ten von ins­ge­samt drei Klet­ter­stei­gen in An­griff zu neh­men: den Klet­ter­steig Stu­i­ben­fall.

Nicht nur beim Klet­tern, son­dern auch vor Klet­ter­steig­tou­ren ist ei­ne ge­gen­sei­ti­ge Kon­trol­le von „Klet­te­rer“ und Aus­rüs­tung Pflicht. Da­her gab es auch bei uns vor je­der Rou­te den Part­ner Check, be­vor es los­ge­hen konn­te. Nach ei­nem kur­z­en Zu­stieg von nur 20 Mi­nu­ten konn­ten wir auch schon los­le­gen und uns ins Draht­seil ein­ha­ken. Der Stu­i­ben­fall ist ein nicht all­zu schwie­ri­ger Klet­ter­steig (A/B), so dass es per­fekt zum erst­mal Auf­wa­chen und Auf­wär­men war. Der Steig ist sehr gut an­ge­legt und mit vie­len Klam­mern aus­ge­rüs­tet. Der krö­nen­de Ab­schluss ist ei­ne Seil­brücke, bei der man bei der Ab­bruch­kan­te den Was­ser­lauf quert. Der Ab­stieg führ­te uns dann über un­zäh­li­ge Stu­fen und ei­ne Hän­ge­brücke samt Re­gen­bo­gen zu­rück nach Um­hau­sen.

Nach ei­ner 15-mi­nü­ti­gen Au­to­fahrt er­reich­ten wir auch schon un­ser zwei­tes Ziel: den Klet­ter­steig Leh­ner Was­ser­fall. Be­vor wir aber los­star­te­ten gab es ei­ne aus­gie­bi­ge Brot­zeit, um für den schwie­ri­ge­ren Steig Kräf­te zu sam­meln. Der Ju­bi­lä­ums-Klet­ter­steig „Leh­ner Was­ser­fall“ zählt zu den schöns­ten Klet­ter­stei­gen Ti­rols und zeich­net sich durch sei­ne spek­ta­ku­lä­re Rou­ten­füh­rung ent­lang der hin­ab­stür­zen­den Was­ser­men­gen des Lehn­bachs aus. Auch hier war der Ein­stieg nur 20 Mi­nu­ten ent­fernt. Nach ei­ner stei­len Ein­stiegspas­sa­ge (C) kam leich­te­res Ge­län­de (B/C), so dass man auch im­mer wie­der die Aus­sicht ge­nie­ßen konn­te. Auch den kur­z­en D/E Über­hang vor dem Aus­stieg meis­ter­ten al­le Teil­neh­mer mit Bra­vour. Aber das Bes­te kam zum Schluss: ein fan­tas­ti­sches Fi­na­le über die 35 Me­ter lan­ge Seil­brücke di­rekt über den Was­ser­fall, bei dem wir al­le so rich­tig nass ge­wor­den sind.

Nach ge­ta­ner Ar­beit wa­ren wir uns al­le ei­nig: Nun ha­ben wir uns ein Eis ver­dient! Al­so lie­ßen wir uns vom nächst­bes­ten Re­stau­rant mit be­son­de­ren Eiss­pe­zia­li­tä­ten lo­cken und gönn­ten uns Eis­kaf­fee, Ei­spa­lat­schin­ken, Jo­ghurt­be­cher und Kai­ser­schmarrn. Lei­der hat ge­schmack­lich nur der Eis­kaf­fee punk­ten kön­nen, so­dass wir uns fest vor­nah­men, am nächs­ten Tag ein le­cke­re­res Eis zu fin­den.
In der DAV Tal­her­ber­ge Zwie­sel­stein an­ge­kom­men, dau­er­te es nicht lan­ge, bis wir al­le ein Stünd­chen Po­wer­nap ein­leg­ten und so zu­min­dest ein biss­chen den feh­len­den Schlaf nach­hol­ten. Im na­he­ge­le­ge­nen und ein­zig ge­öff­ne­ten Lo­kal im Ort gab es dann das wohl­ver­di­en­te Aben­des­sen. Zu­rück in der Tal­her­ber­ge run­de­ten die zwei Par­ti­en Ta­bu XXL den ge­lun­ge­nen Tag ab, bei de­nen die Frau­en­mann­schaft ihr Kön­nen un­ter Be­weis stel­len und dank Kno­ten Knut die Män­ner mit 2:0 be­sie­gen konn­te.

Nach ei­ner er­hol­sa­men Nacht und ei­nem ge­müt­li­chen Früh­stück in der Selbst­ver­sor­ger­hüt­te, mach­ten wir uns auf den Weg zu un­se­rer letz­ten Her­aus­for­de­rung: dem Rein­hard-Schiestl-Klet­ter­steig. Der 300 m lan­ge Steig (190 Hö­hen­me­ter) über­win­det die aus Ur­ge­stein be­ste­hen­de Burg­stein­wand und zählt be­reits zu den Klas­si­kern Ti­rols. Er zeich­net sich vor al­lem durch zahl­rei­che ex­trem aus­ge­setz­te, spek­ta­ku­lär-luf­ti­ge Pas­sa­gen aus und bie­tet aben­teu­er­li­che Tief­bli­cke ins Tal. Die Stra­pa­zen wur­den mit ei­nem net­ten Rast­platz auf ei­ner Wie­se beim Aus­stieg mit ei­nem tol­len Blick auf den Gei­gen­kamm be­lohnt. Apro­pos Be­loh­nung: Auch an die­sem Tag durf­te das Be­loh­nungs-Eis na­tür­lich nicht feh­len! Un­se­ren Vor­satz vom Vor­tag, ein bes­ser schme­cken­des Eis zu fin­den, konn­ten wir tat­säch­lich ein­hal­ten und gönn­ten uns zum Ab­schluss das, was un­se­re Her­zen be­gehr­ten.

So­wohl Teil­neh­mer als auch die Tou­ren­füh­re­rin wa­ren sich ei­nig: das Wo­chen­en­de hat so viel Spaß ge­macht, dass es auf je­den Fall ei­ne Fort­set­zung ge­ben soll­te.

Teil­neh­mer: Ze­no, Ka­tha­ri­na, Mar­kus, Ve­ro­ni­ka

Tou­ren­füh­rung: An­ne Schmit­gen